Eine Geschichte von Anneliese
Anneliese sitzt in ihrem kleinen, aber liebevoll eingerichteten Apartment im dritten Stock eines älteren Wohnhauses. Sie blickt auf den belebten Platz, wo die Menschen geschäftig vorbeigehen, während sie in einer Welt der Einsamkeit gefangen ist. Mit 72 Jahren wirkt sie fit, doch die Falten in ihrem Gesicht erzählen von einem Leben voller harter Arbeit und unerfüllter Wünsche.
Viele Jahre arbeitete Anneliese in einer Fabrik, die einst florierte. Die Schließung der Firma ließ sie mit 55 Jahren plötzlich arbeitslos. Trotz ihrer Erfahrungen fand sie nur einen Job zum Mindestlohn und kämpft seither um das tägliche Überleben.
In den letzten Jahren hat sich die Welt weiterentwickelt, und die Digitalisierung wird zur zusätzlichen Hürde. Oft fühlt sie sich überfordert und merkt, wie ihre sozialen Kontakte schwinden. Die Nachbarin, die gelegentlich nach ihr sieht, hat ihre eigenen Sorgen und kann nur begrenzt helfen. So sitzt Anneliese oft allein und fragt sich, wie sie die Herausforderungen meistern soll.
Abends betrachtet sie die leere Schüssel, die für das Abendessen vorbereitet ist. Sie würde gern ein ordentliches Stück Fleisch oder eine frisch zubereitete Mahlzeit genießen, aber ihre finanzielle Lage lässt dies oft nicht zu. Stattdessen bleibt oft nur ein einfaches Butterbrot.
Anneliese leidet nicht nur unter Geldsorgen, sondern auch unter dem ständigen Gefühl der Unsicherheit. Sie fragt sich, ob sie die Heizung im Winter ausreichend betreiben oder sich notwendige Behandlungen leisten kann. Oft hat sie das Gefühl, die Gesellschaft habe die Senioren vergessen, die einst zum Wohlstand beigetragen haben.
Trotz all dieser Herausforderungen bleibt Anneliese stark und kämpft weiter. Sie ist nicht nur eine ältere Frau, die mit Altersarmut zu kämpfen hat; sie ist eine Träumerin mit einer Geschichte, die es wert ist, gehört zu werden.
Eine Geschichte die ähnlich leider zu oft in Deutschland vorkommt.
Mehr als 22 Prozent der über 80-Jährigen in Deutschland sind von Armut betroffen. Bei Frauen liegt der Anteil noch höher. Das größte Risiko, von Altersarmut betroffen zu sein, haben alleinstehende Frauen, Menschen ohne Berufsausbildung/Niedrigqualifizierte und Langzeitarbeitslose. Fast jede dritte alleinstehende Neurentnerin könnte zukünftig auf Grundsicherung angewiesen sein. Das Einkommen vieler hochbetagter Menschen in Deutschland liegt unter der Armutsgrenze . Quelle: www.bmfsfj.de
Jeder Vierte über 65-Jährige in Bremen gilt als arm - Buten un Binnen
03.03.2025
Die Armut im Land Bremen wächst – und zwar vor allem bei Familien und Älteren. Das zeigt das aktuelle „KammerKompakt“ der Arbeitnehmerkammer anlässlich der Bremer Armutskonferenz am 3. März 2025. Demnach wachsen zwei von fünf Kindern und Jugendlichen in einkommensarmen Familien auf.
Seit dem Ende der Corona-Pandemie steigt zudem Jahr für Jahr die Altersarmut – mittlerweile gilt in Bremen jede*r Vierte über 65 Jahren als arm. „Die nächste Bundesregierung ist gefordert, die Renten zu stabilisieren und Familien stärker zu entlasten. Und vor allem muss sie mehr für die Aus- und Weiterbildung tun, denn nur gut qualifizierte Beschäftigte haben die Chance auf gut bezahlte Arbeitsplätze und eine gute Rente“, betont PeerRosenthal, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer.
Wer in einem Haushalt lebt, der mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens auskommen muss, gilt als einkommensarm. Die Armutsgrenze lag 2023 bei 1.247 Euro netto für einen Ein-Personen-Haushalt. Im Land Bremen galten 198.000 Menschen in diesem Sinne als arm – das ist mehr als jede*r Vierte.
Zwar hat Bremen als starker Industriestandort in vielen Bereichen gute, tariflich abgesicherte Löhne – im Hafen, der Automobilwirtschaft oder der Luft- und Raumfahrt. Auf der anderen Seite arbeiten jedoch viele Menschen zu geringen Löhnen in Dienstleistungsberufen wie etwa dem Reinigungs- oder Gastgewerbe.
Die Verbreitung von Einkommensarmut ist in Bremen und Bremerhaven im Bundesvergleich am höchsten. Ähnlich stark betroffen sind lediglich einige Ruhrgebietsstädte wie Duisburg, Dortmund und Essen.
Quelle: Familiennetz Bremen
